Tipps für Schwangere & Mütter

Inkontinenz in der Schwangerschaft – Ursachen & Tipps

Inkontinenz in der Schwangerschaft – Ursachen & Tipps
Ein „Markenzeichen“ der Schwangerschaft ist der ständige (wirklich ständige!) Harndrang – morgens, mittags und abends. Unter einer schwachen Blase leiden viele Frauen im Laufe ihrer Schwangerschaft. Obwohl gelegentliche Inkontinenz in der Schwangerschaft vollkommen normal ist, wird das Thema immer noch weitestgehend tabuisiert, weswegen es den Betroffenen oft unangenehm ist, darüber zu sprechen. Doch genau damit hören wir jetzt auf.

Wir haben für dich alles Wichtige über den Urinverlust in der Schwangerschaft zusammengetragen und erklären dir, wie du der Harninkontinenz mit einfachen Übungen vorbeugen kannst.

Was sind die Ursachen für Inkontinenz in der Schwangerschaft?

Unter Inkontinenz versteht man ungewollten Harnabgang. In der Schwangerschaft sind über die Hälfte aller Frauen vom unfreiwilligen Harnverlust betroffen. Neben hormonellen gibt es noch weitere Ursachen für die vorgeburtliche Blasenschwäche, denen aber mit Übungen entgegengewirkt werden kann.

Im Folgenden findest du einen Überblick über die Ursachen für Inkontinenz in der Schwangerschaft:

  1. Schwangerschaftshormon Progesteron

Am Anfang der Schwangerschaft hast du eine hohe Konzentration des Schwangerschaftshormons Progesteron im Körper. Dieses Hormon ist verantwortlich dafür, dass sich deine Muskulatur, die Blasenmuskulatur eingeschlossen, entspannt. Dadurch hast du das Gefühl, häufiger als sonst zur Toilette zu müssen. Zusätzlich sorgt das weibliche Hormon Östrogen dafür, dass sich dein Gewebe lockert.

  1. Gebärmutter übt Druck auf Blase aus

Deine Gebärmutter wächst in den ersten Monaten der Schwangerschaft im kleinen Becken und drückt auf deine Blase. Zusätzlich ist dein Körper besser durchblutet und deine Nieren produzieren mehr Urin als gewöhnlich. Insgesamt führt das auch bei nicht vollständig gefüllter Blase dazu, dass du häufiger Harndrang verspürst.

  1. Baby drückt auf die Blase

Im letzten Trimester deiner Schwangerschaft ist vor allem das Gewicht deines Babys für starken Harndrang verantwortlich. Weil dein Baby immer weiterwächst und auf die Blase drückt, kann es vor allem zum ungewollten Urinverlust kommen, wenn du husten oder niesen musst oder lachst. Dieses Problem kann auch noch nach der Schwangerschaft auftreten – etwa bei einem Drittel der Frauen.

  1. Muskulatur im Beckenboden wird elastischer

Dein Körper bereitet sich im dritten Trimester deiner Schwangerschaft auf die Geburt vor. Dazu gehört es auch, dass sich deine Beckenbodenmuskulatur entspannt, was zusätzlich zum Gewicht des Babys dafür sorgt, dass du häufig ins Bad rennen musst.

Inkontinenz in der Schwangerschaft ist keine Seltenheit, sondern vollkommen normal: Über 50 Prozent der Frauen machen im Laufe ihrer Schwangerschaft Erfahrungen mit Blasenschwäche. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge. Allerdings solltest du, wenn du sehr häufig unkontrollierbaren Harnabgang hast, mit deinem Gynäkologen sprechen, um andere Ursachen, wie beispielsweise einen Blasensprung, also den Abgang von Fruchtwasser, auszuschließen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du Fruchtwasser oder Urin verloren hast, kontaktiere deinen Arzt oder deine Hebamme. Beim Verdacht auf einen Blasensprung kannst du dich auch jederzeit in einer Geburtsklinik vorstellen.

Auch eine Gebärmuttersenkung kann sich auf die Blase auswirken. Zu einer solchen kann es durch erhöhten Druck auf den Beckenboden kommen. Auch Übergewicht und das Tragen schwerer Lasten kann eine Gebärmuttersenkung und somit Inkontinenz begünstigen.

In welchem Schwangerschaftsabschnitt muss ich mit Inkontinenz rechnen?

Zur Schwangerschaftsinkontinenz kommt es vor allem in den ersten drei und den letzten drei Schwangerschaftsmonaten. Das ist einfach zu erklären: Im ersten Trimester findet in deinem Körper eine hormonelle Umstellung statt. Wenn diese abgeschlossen ist und sich deine Gebärmutter aus dem kleinen Becken heraus aufgerichtet hat, werden die Blasenprobleme erst einmal besser.

Ab dem dritten Trimester, wenn dein Baby wächst und Druck auf die Blase ausübt, und deine Beckenmuskulatur sich allmählich entspannt, kommt es wieder verstärkt zur Schwangerschaftsinkontinenz.

Woher weiß ich, ob ich Urin oder Fruchtwasser verliere?

Vor allem zum Ende der Schwangerschaft hin fragen sich viele Frauen, wie sie abgehenden Urin von Fruchtwasser unterscheiden können. Zum einen kannst du die beiden Körperflüssigkeiten am Geruch auseinanderhalten. Fruchtwasser riecht im Gegensatz zu Urin gar nicht bis süßlich.

Du möchtest ganz sicher gehen? Dann besorge dir in der Apotheke Indikationstests, mit denen du über den pH-Wert checken kannst, ob es sich bei deinem Ausfluss um Urin oder Fruchtwasser handelt.

Was kann ich gegen Inkontinenz bzw. Blasenschwäche in der Schwangerschaft tun?

Deinem Beckenboden kommt in der Schwangerschaft und bei der Geburt eine äußerst wichtige Rolle zu. Hauptsächlich besteht dein Beckenboden aus drei verschiedenen Muskelschichten, die von der Wirbelsäulenbasis und dem Schambein ausgehen. Dein Beckenboden stützt also nicht nur deinen Darm und deine Blase, sondern auch die Gebärmutter und somit dein wachsendes Baby.

Im Laufe der Schwangerschaft sorgt das Schwangerschaftshormon Relaxin dafür, dass die Bänder und Muskeln in deinem Becken elastischer werden, um gut auf die Geburt vorbereitet zu sein. In der Folge wird deine Blase schlechter gestützt und es kann zum unwillkürlichen Harnabgang kommen.

Während deiner Schwangerschaft kannst du einiges tun, um deinen Beckenboden zu stärken und so einer Inkontinenz in der Schwangerschaft vorzubeugen:

  • Ernähre dich möglichst ballaststoffreich und trinke viel, um Verstopfungen zu vermeiden, die zusätzlich Druck auf die Blase ausüben. Wenn du in der Schwangerschaft trotz ballaststoffreicher Ernährung mit Verstopfung zu kämpfen hast, können dir Floh- oder Leinsamen helfen.
  • Ab der 35. SSW und während der Geburt kannst du dein Gewebe mit Dammmassagen stärken. Auch warme Kompressen unterstützen deine Gewebe und verhindern so vor allem eine Inkontinenz nach der Schwangerschaft
  • Du musst während deiner Schwangerschaft nicht keusch leben, ganz im Gegenteil sogar: Sanfte sexuelle Aktivitäten tragen zur Stärkung deines Beckenbodens bei.
  • Wenn möglich, solltest du eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft vermeiden und in die Schwangerschaft mit Normalgewicht starten, da Übergewicht die Beckenbodenmuskulatur stark beansprucht.
  • Sobald die Vorbereitungen für die Geburt starten, wird es Zeit für einen Geburtsvorbereitungskurs. Hier bekommst du viele wertvolle Tipps – auch, was die Entlastung deines Beckenbodens im Alltag angeht.

Während der Schwangerschaft und auch danach kann deine Hebamme dich bei Fragen zur Beckenboden- und Rückbildungsgymnastik beraten und dir passende Übungen zeigen.

Wie kann ich Harnwegsinfektionen in der Schwangerschaft vermeiden?

Es ist wichtig, dass du eine Harnwegsinfektion in der Schwangerschaft vermeidest oder sie sofort behandeln lässt. Solltest du beim Wasser lassen also Schmerzen haben oder ein Brennen verspüren, suche umgehend einen Arzt auf, um zu vermeiden, dass sich aus der Harnwegsinfektion eine Nierenentzündung entwickelt.

Vorbeugen kannst du einem Harnwegsinfekt, indem du deinen Urin nicht einhältst, sondern immer eine Toilette aufsuchst, wenn du das Gefühl einer vollen Blase verspürst. Ebenso kannst du Harnwegsinfekten in der Schwangerschaft vorbeugen, indem du ausreichend viel trinkst.

Kann ich den Beckenboden in der Schwangerschaft trainieren?

Nun eine gute Nachricht: Auch wenn sich Inkontinenz in der Schwangerschaft wahrscheinlich nicht gänzlich vermeiden lässt, kannst du selbst einiges tun, um deinen Beckenboden zu stärken und einer Schwangerschaftsinkontinenz vorzubeugen.

Essenziell für eine starke Beckenbodenmuskulatur ist ausreichend Bewegung, die du nicht nur durch Spaziergänge an der frischen Luft, sondern auch Sportarten wie Nordic Walking oder Yoga erreichen kannst. Wenn du zusätzlich, am besten mit Beginn der Schwangerschaft, gezielte Gymnastik für deinen Beckenboden machst, kannst du der Blasenschwäche in der Schwangerschaft vorbeugen. Sprich am besten deine Hebamme an, wenn du dich gezielt über Beckenbodengymnastik informieren möchtest.

Inkontinenz nach der Schwangerschaft

Auch nach der Geburt haben viele frischgebackene Mütter mit einer Harninkontinenz zu kämpfen – häufig die, die bereits in der Schwangerschaft mit einer schwachen Blase zu tun hatten. Das ist jedoch zunächst kein Grund zur Beunruhigung.

Die folgenden Faktoren können das Risiko einer nachgeburtlichen Inkontinenz weiter erhöhen:

  • Bei Frauen, die vaginal und in Rückenlage entbinden, ist die Wahrscheinlichkeit einer postpartalen Inkontinenz fast doppelt so hoch wie bei Müttern, die per Kaiserschnitt entbinden, so eine von den National Institutes of Health veröffentlichte Studie. Allerdings ist eine Harninkontinenz nach einem Kaiserschnitt auch nicht ausgeschlossen.
  • Wenn du während der Schwangerschaft unkontrolliert Urin verloren hast, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Problem nach der Geburt wieder auftritt, mehr als dreimal so hoch als normalerweise.
  • Bei der Geburt eines Babys, das mehr als 3600 Gramm wiegt, steigt das Risiko für Inkontinenz nach der Schwangerschaft ebenfalls.
  • Und: Eingriffe (PDA, Dammschnitt oder assistierte Entbindung mit Zange oder Vakuum) während der Wehen und der Geburt.

Wenn du unter einer Blasenschwäche nach der Schwangerschaft leidest, kannst du mit gezieltem Beckenbodentraining eine Besserung erreichen. Mit Beckenbodengymnastik kannst du schon zeitnah nach der Geburt beginnen. Wenn du einen Kaiserschnitt hattest, darfst du nach etwa 3 Wochen mit Beckenbodenübungen starten.

Mit Rückbildungsgymnastik, die sich nicht nur auf deinen Beckenboden, sondern auf alle Muskeln auswirkt, solltest du erst später beginnen: Nach einer spontanen Geburt kannst du nach ca. 8 Wochen, nach einem Kaiserschnitt nach 10 Wochen mit der Rückbildungsgymnastik anfangen. Auch hier kann dir deine Hebamme unterstützend zur Seite stehen und beurteilen, welche Übungen du schon machen kannst und mit welchen du besser noch warten solltest.

Es ist wichtig, dass du auch nach der Geburt deines Babys viel Wasser trinkst, um Harnwegsinfektionen zu vermeiden. Versuche auch, deinen Beckenboden beim Wasserlassen zu entspannen, um deinen Blasenmuskel zu unterstützen.

Die Regeneration deines Körpers braucht Zeit

Für die Regeneration deines Körpers nach der Schwangerschaft musst du viel Zeit einplanen. Dein Beckenboden wird beispielsweise erst nach der Stillzeit wieder richtig fest. Trotzdem solltest du ihn auch danach noch weiter trainieren, um sicherzustellen, dass sich deine Beschwerden vollständig zurückbilden und deine Blasenkontrolle wiederhergestellt ist.

Zusätzlich kann es dir, wie eben erwähnt, helfen, wenn du versuchst, nach der Geburt langsam dein Startgewicht wieder zu erreichen. Verordnen lassen kann, helfen bei der Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. Dabei handelt es sich um Gewichte, die wie Tampons in die Scheide eingeführt und dort gehalten werden. Zudem gibt es interaktive Beckenbodentrainingsgeräte, die verordnungsfähig sind und mit dem Smartphone gekoppelt werden können.

Viele Fälle von Inkontinenz bessern sich nach der Geburt von selbst. Wenn du jedoch bei der Kontrolluntersuchung sechs Wochen nach der Geburt immer noch Probleme mit Inkontinenz hast, solltest du dies unbedingt ansprechen. Dein Arzt oder deine Ärztin kann das Problem beurteilen und andere Erkrankungen ausschließen.

Sollte deine Inkontinenz mehr als drei Monate anhalten, liegt die Wahrscheinlichkeit, auch noch in 10 Jahren Probleme damit zu haben, bei 92 %. Dein Arzt kann dir eine Überweisung für eine Physiotherapiepraxis oder ein Beckenbodenzentrum ausstellen, wenn die Inkontinenz bleibt. Ziel der Behandlung ist es, deine Lebensqualität zu verbessern und zu verhindern, dass sich die Inkontinenz zu einem langfristigen Problem entwickelt.

Bereite dich vor und stärke deinen Beckenboden

Wie du siehst, hat ein Großteil der Mütter Erfahrung mit Inkontinenz in der Schwangerschaft. Das ist kein Grund zur Sorge. Mit gezielten Übungen und etwas Geduld kannst du deinen Beckenboden stärken, der Schwangerschaftsinkontinenz vorbeugen und deine Blasenkontrolle nach der Geburt nach und nach zurückerlangen.

Scheue es nicht, dich auch mit den weniger angenehmen Seiten der Schwangerschaft auseinanderzusetzen und versuche, sie als das zu akzeptieren, was sie sind: vollkommen normal. Dein Körper leistet während der Schwangerschaft Großartiges – und darf sich im Gegenzug die ein oder andere Schwäche erlauben, oder?

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