Wenn ein Baby, das sonst immer ruhig an der Brust trinkt, die Brust plötzlich ablehnt oder anschreit, ist dies für viele Mütter verständlicherweise besorgniserregend. Meist steckt hinter dieser ablehnenden Haltung der sogenannte Stillstreik.
Unter dem Stillstreik oder der Brustschimpfphase versteht man ein kurzzeitiges Stillproblem, dass meist zwischen dem 3. und 8. Lebensmonat auftritt. Ursachen für die Brustschimpfphase gibt es viele. Doch in den meisten Fällen ist sie nach wenigen Tagen überstanden.
Wir haben für dich Informationen zum Thema Stillstreik zusammengestellt, die dir und deinem Baby durch diese anstrengende Phase helfen können.
Dieser Beitrag enthält folgende Abschnitte:
- Was ist ein Stillstreik?
- Welche Ursachen kann die Brustschimpfphase haben?
- Stillstreik – was tun?
- Stillstreik nur tagsüber – warum?
- Stillstreik – bitte nicht aufgeben
Was ist ein Stillstreik?
Es ist zunächst wichtig zu wissen, dass ein Stillstreik oder eine Brustschimpfphase in der Stillbeziehung vieler Mutter-Kind-Paare vorkommt. Typischerweise tritt ein Stillstreik auf, wenn das Baby drei bis acht Monate alt ist. Er ist aber auch etwas früher oder später möglich.
Das Kind schreit in der Phase des Stillstreiks die Brust an, stößt sich weg und verweigert so, besonders tagsüber, das Stillen. Manchmal sind nur wenige Stillmahlzeiten betroffen, manchmal hält das Brustschimpfen aber auch über Tage hinweg an.
Wenn dein Baby das Stillen verweigert, ist es kein Wunder, dass du besorgt bist. Lass dich jedoch nicht entmutigen! Kein Streik dauert ewig und dein Baby und du werden sehr wahrscheinlich bald wieder eine harmonische Stillbeziehung haben.
Welche Ursachen kann die Brustschimpfphase haben?
Die Ursachen für einen Stillstreik sind vielfältig. Manchmal lässt sich aber auch kein nachvollziehbarer Grund für das Verweigern der Brust finden. Die häufigsten Gründe für den Stillstreik sind entweder in Umweltreizen oder der Entwicklung deines Babys zu suchen:
Umweltreize als Auslöser für den Stillstreik
Zu den Umweltreizen, die einen Stillstreik begünstigen können, zählen:
- Zu viel Ablenkung überfordert dein Baby.
- Reizüberflutung hält dein Baby vom Trinken ab.
- Wenn du gestresst bist, fühlt dich dein Baby möglicherweise genauso.
- Wenn du deine Ernährung veränderst, kann sich die Muttermilch im Geschmack ändern.
- Du hast ein neues Duschgel oder Waschmittel? Vielleicht reagiert dein Baby empfindlich auf neue Gerüche.
Andere Ursachen für die Brustschimpfphase
Neben Umweltreizen gibt es noch verschiedene andere Ursachen, die als Auslöser für die Brustschimpfphase in Frage kommen:
- Ein Baby-Entwicklungssprung kann dein Baby überfordern – es entdeckt jeden Tag etwas Neues und lernt ständig dazu. Das kann anstrengend sein.
- Wenn die Milch zu schnell aus deiner Brust fließt, kann dein Baby Schwierigkeiten haben, das Atmen, Saugen und Schlucken zu koordinieren. Daraus folgt Frust, der wiederum im Stillstreik enden kann.
- Sollte deine Milch zu langsam fließen, kann auch das dein Baby frustrieren.
Stillstreik beim Zahnen
Wenn Babys zahnen, kann es ebenfalls zu einem veränderten Stillverhalten kommen. Gib deinem Baby Möglichkeiten zu kauen und damit sein Zahnfleisch zu massieren. Am besten sind hier gekühlte Beißringe oder gefrorene Muttermilch geeignet. Babys brauchen Zeit, sich an das neue Mundgefühl zu gewöhnen. Dann ist der Spuk der Brustschimpfphase so schnell wieder vorbei, wie er begonnen hat.
Stillstreik – was tun?
Viele Mütter befürchten, dass der Stillstreik den Abschied von der Stillzeit bedeutet. Bei dem Großteil der Kinder ist das aber nicht der Fall. Es gibt in den meisten Fällen auch keine Probleme mit der Milchbildung. Im Alter von drei und mehr Monaten sind die Babys leicht ablenkbar oder von den Reizen der Umwelt vollkommen überflutet. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, wie du dein Baby durch den Stillstreik begleiten kannst:
- Um Reizüberflutung entgegenzuwirken, hilft es, dein Baby in einem ruhigen Raum mit gedämpfter Beleuchtung zu stillen: Kein Fernseher, kein Radio, kein Smartphone oder Geschwisterkinder sollten stören, wenn du dein Baby stillst.
- Du kannst auch versuchen, eine Stillkette oder ein kleines Spielzeug in Höhe deiner Brust zu halten. So kann dein Baby die Konzentration möglicherweise besser bei dir und dem Stillvorgang halten.
- Bei zu schnellem Milchfluss kann eine aufrechte Stillposition oder das Stillen im Liegen helfen, den Milchfluss zu regulieren.
- Fließt deine Milch zu langsam, kannst du deine Brust vor dem Stillen wärmen und leicht massieren. So regst du deinen Milchfluss sanft an.
Stillstreik nur tagsüber – warum?
Viele Mütter bemerken, dass das Stillen in der Nacht, wenn das Baby schläfrig ist, besser klappt. Nachts nehmen die Kinder dann also eine gewisse Menge Muttermilch zu sich. Oft trinken sie während eines Stillstreiks nachts auch häufiger. Achte am Tag besonders auf die frühen Hungerzeichen und leg dein Baby immer wieder an, wenn es signalisiert, an die Brust zu wollen. Frühe Hungerzeichen können z.B. sein:
- Herausstrecken der Zunge
- Lecken an den Lippen
- Saugen an der Hand
- Sauggeräusche
- Hin- und Herdrehen des Köpfchens (Suche nach der Mutterbrust)
Nach einem Nickerchen, im halbschlafenden Zustand, funktioniert das Anlegen oft ohne Probleme. Bleibe also zuversichtlich und geduldig. Um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten, kannst du mit einer elektrischen Milchpumpe oder Handmilchpumpe nach den Anlegeversuchen oder kurzen Stillmahlzeiten zusätzlich Muttermilch abpumpen.
Stillstreik – bitte nicht aufgeben
Ein Baby in der Brustschimpfphase oder in einem Stillstreik braucht viel Zuwendung. Kuschle also ausgiebig mit deinem Baby und biete immer wieder deine Brust an. Bleib auf jeden Fall am Ball. Zufüttern oder Beikost sind nur selten die Lösung für den Streik.
Wenn du Sorge hast, dein Kind könnte nicht ausreichend Nahrung zu sich nehmen, kontaktiere bitte deine Hebamme oder Stillberaterin. Sie kann dir weitere Tipps geben, wie du möglichst gelassen durch diese nervenaufreibende Phase kommst.
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Dieser Beitrag entstand mit der
fachlichen Beratung von Swantje Outzen.

zusätzlich ausgebildete Still- und Laktationsberaterin
und ausgebildete Trageberaterin. Sie wohnt mit ihrer
Familie in Hamburg und arbeitet aktuell
als freiberufliche Hebamme.
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