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Dammschnitt bei der Geburt – Notwendigkeit, Heilungsdauer und Pflegetipps

Dammschnitt bei der Geburt – Notwendigkeit, Heilungsdauer und Pflegetipps

Wenn du dich als werdende Mama mit der Geburt deines Babys auseinandersetzt, kommst du nicht umhin, dich über den sogenannten Dammschnitt zu informieren. Früher wurde der Dammschnitt nahezu bei allen Geburten routinemäßig gemacht, heute erfolgt er jedoch nur noch unter bestimmten Umständen.

Wir haben für dich die wichtigsten Informationen zum Dammschnitt bei der Geburt verständlich aufbereitet und erklären dir, worauf du bei der Pflege der Dammnaht achten musst. So gut vorbereitet kannst du die Geburt ohne Ängste angehen und dich schon darauf freuen, dein Baby bald in den Armen zu halten.

Was ist ein Dammschnitt und warum wird er durchgeführt?

Als Damm (Perineum) bezeichnet man den Bereich zwischen den äußeren Geschlechtsorganen und dem Anus. Diese äußerst sensible Körperregion besteht hauptsächlich aus Nerven und Muskeln, die wiederum zur Beckenbodenmuskulatur gehören. Mittlerweile ist es umstritten, dass die Durchführung eines Dammschnitts einen spontanen Dammriss verhindern kann. Man weiß sogar inzwischen, dass ein spontaner Dammriss in der Regel besser abheilt als ein präventiver Dammschnitt.

Wann muss ein Dammschnitt durchgeführt werden?

Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Dammschnitt bei der Geburt meist nicht vermieden werden kann:

  • Dein Baby wird aus einer Beckenendlage geboren.
  • Es muss eine vaginaloperative Entbindung (Saugglocken- oder Zangengeburt) gemacht werden.
  • Das CTG des Babys ist auffällig bzw. hat schlechte Werte und die Austreibungsphase muss beschleunigt werden.
  • Wenn es sich um eine Frühgeburt handelt, kann der Dammschnitt deinem Kind den Weg nach draußen erleichtern.
  • Du hast (beispielsweise wegen einer Beschneidung) bereits Narbengewebe am Damm, das sich von allein nicht ausreichend dehnen kann.
  • Du bringst Mehrlinge auf die Welt.
  • Dein Baby hat einen so großen Kopf, dass ein schwerer Dammriss wahrscheinlich ist.

Wie häufig kommt es zu einem Dammschnitt?

Sicherlich möchtest du gern wissen, wie häufig bei Geburten ein Dammschnitt durchgeführt wird. Für Deutschland gibt es hier nicht so verlässliche Zahlen. Die Angaben zur Häufigkeit des Dammschnitts schwanken zwischen 10 und 20 Prozent der Geburten.

Wie wird ein Dammschnitt durchgeführt?

Ein Dammschnitt bei der Geburt kann in drei verschiedene Richtungen ausgeführt werden. Der laterale Dammschnitt, bei dem der Schnitt etwa 2 Zentimeter abseits der Dammmitte im 45°-Winkel ausgeführt wird, wird heutzutage allerdings nicht mehr gemacht, weil umliegendes Gewebe zerstört sowie Muskeln und Blutgefäße durchtrennt werden. Die Heilung des lateralen Dammschnittes ist zudem äußerst langwierig und schmerzhaft.

Gängig sind heute der mediane und der mediolaterale Dammschnitt:

Mittellinienschnitt
    1. Medianer (mittlerer) Dammschnitt

      Beim medianen Dammschnitt erfolgt der Schnitt der Mittellinie des Damms entlang in Richtung After. Meist heilt der mittlere Dammschnitt gut ab. Ein Risiko besteht allerdings darin, dass der erfolgte Schnitt im weiteren Verlauf der Geburt weiterreißt. Hier kann Inkontinenz die Folge sein.

      Mediolateraler Dammschnitt
      1. Mediolateraler Dammschnitt

      Im Gegensatz zum medianen Dammschnitt wird beim mediolateralen Dammschnitt von der Dammmitte aus im 45°-Winkel geschnitten. Diese Art des Dammschnitts wird bevorzugt, wenn ein höherer Raumgewinn für das Kind wichtig ist – denn im Gegensatz zum medianen Dammschnitt kann beim mediolateralen Dammschnitt weitergeschnitten werden, da die natürliche Begrenzung durch den After fehlt.

      Im richtigen Moment gesetzt, ist der Dammschnitt nicht zu spüren. Selten muss der Damm vorher mit Hilfe einer Spritze oder eines Sprays örtlich betäubt werden[1]. Wenn du eine PDA haben solltest, bist du wahrscheinlich im Dammbereich schmerzfrei.

      Behandlung und Heilung des Dammschnitts

      Nachdem du dein Baby auf dem Arm gehalten hast und ihr Zeit hattet, euch etwas kennenzulernen, kümmern sich die Ärzte um die Versorgung der Wunde. Der Schnitt wird gereinigt und mit selbstauflösendem Faden genäht. Damit du keine Schmerzen verspürst, erhältst du natürlich eine örtliche Betäubung.

      Was muss ich nach einem Dammschnitt beachten?

      Die Heilung eines Dammschnitts kann langwierig und schmerzhaft sein. Du kannst aber einiges tun, um die Wundheilung so gut es geht zu unterstützen:

      Am wichtigsten ist es, dass du dich schonst und jegliche Belastung der Wunde vermeidest. Auch auf Geschlechtsverkehr solltest du für einige Wochen verzichten.

      Durchschnittlich braucht ein Dammschnitt sechs Wochen, um zu heilen. Abhängig von der Größe des Schnitts und deiner individuellen Verfassung kann die Heilungsdauer aber erheblich variieren.

      Was hilft gegen die Schmerzen?

      Damit dein Dammschnitt gut und schnell verheilt und möglichst wenig Schmerzen verursacht, haben wir für dich folgende Tipps zur Pflege der Dammnaht zusammengestellt:

      • Beim Sitzen kannst du die Schmerzen an der Dammnaht mit Eispackungen oder Binden aus dem Kühlschrank lindern.
      • Mit warmen Sitzbädern mit entzündungshemmenden Zusätzen kannst du die Heilung des Dammschnitts unterstützen.
      • Ernähre dich ausgewogen und trinke genügend. Bevorzuge Lebensmittel, die den Stuhl weich machen, um starkes Pressen beim Stuhlgang zu vermeiden.
      • Reinige die Naht unbedingt mehrmals täglich mit warmem Wasser und tupfe sie vorsichtig trocken.
      • Lasse so oft wie möglich Luft an die Wunde kommen.

      Kann der Dammschnitt wieder aufgehen?

      Es kann passieren, dass die Dammnaht wieder aufgeht. Wie es dann weitergeht, muss im Einzelfall entschieden werden. Sollte deine Naht nur ein kleines Stück wiederaufgehen, heilt das meist von allein wieder ab. Wenn du das Gefühl hast, dass mit deiner Dammnaht etwas nicht in Ordnung ist, lasse deine Hebamme oder einen Arzt nachschauen.

      Kann man einem Dammschnitt vorbeugen?

      Du wünschst dir sicherlich, dass die Geburt deines Babys ohne Dammschnitt oder Dammriss vonstattengeht. Das ist nur allzu verständlich und du bist mit diesem Wunsch nicht allein. Eine Garantie dafür, dass du ohne Geburtsverletzungen gebären kannst, gibt es aber leider nicht. Doch du kannst im Vorfeld einiges unternehmen, um einem Dammschnitt vorzubeugen.

      Zum einen kannst du dein Dammgewebe ab der 34. Schwangerschaftswoche mit einer regelmäßigen Dammmassage weicher und elastischer machen. Ein hautpflegendes Dammmassageöl kann dir die Dammmassage erleichtern. Zum anderen ist es möglich, deinen Beckenboden und deinen Damm mit gezielten Gymnastikübungen zu stärken. Dazu musst du lediglich mit geöffneten Knien in die Hocke gehen und diese Position halten. Oder du setzt dich in den Schneidersitz und presst deine Füße aneinander.

      Während der Geburt kann deine Hebamme deinen Damm während der Austreibungsphase mit warmen Kompressen behandeln. Eine aufrechte Geburtsposition kann ebenfalls dazu beitragen, einen Dammschnitt zu vermeiden.

      Ein Dammschnitt ist – zumindest die Schmerzen im Nachhinein – nicht angenehm. Wenn du möchtest, kannst du in deinem Geburtsplan einen Dammschnitt verweigern und stattdessen einen Dammriss in Kauf nehmen. Die Einzelheiten solltest du in Ruhe mit deiner Hebamme besprechen und die Vor- und Nachteile eines Dammschnitts in Ruhe abwägen, bevor du dich entscheidest.

      Verliere aber bei aller Vorbereitung nicht aus den Augen, dass eine Geburt ein natürlicher Vorgang ist, den du nicht in allen Einzelheiten planen kannst. Versuche also, trotz möglicher Ängste und Unsicherheiten, entspannt an die Geburt heranzugehen.

      [1] https://www.hopkinsmedicine.org/health/treatment-tests-and-therapies/episiotomy

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