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Lansinoh Stillumfrage 2014

21 August 2015

Grafik zur den Ergebnissen der Lansinoh Stillumfrage 2014

Die jährliche Lansinoh-Umfrage unter mehr als 13.000 stillenden Müttern und schwangeren Frauen aus neun Ländern beziffert kulturelle Differenzen zum Thema Stillen. Neben Deutschland, Großbritannien, den USA und der Türkei nahmen 2014 auch erstmals Brasilien, Mexiko, China, Frankreich und Ungarn teil.

Kernaussagen der Stillumfrage 2014

Lansinoh Stillumfrage 2014: Stillen ist das Beste fürs BabyDie Mehrheit der Mütter in allen Ländern – einschließlich 95,5 Prozent aller Mütter in Deutschland – glauben, dass Stillen die beste Ernährung für ein Baby ist (unabhängig davon, ob sie selbst gestillt haben oder nicht).

Gesundheitliche Vorteile für das Baby sind für die Mehrheit aller Mütter in allen neun Ländern der Hauptgrund zu stillen. Dabei reicht die Zustimmung von 76 Prozent  in Frankreich bis 91 Prozent in Brasilien. In Deutschland stimmen dieser Aussage 88 Prozent zu. 

  • Nachts aufstehen, um das Baby zu füttern wurde von Müttern in allen neun Ländern unter die Top 3 der größten Herausforderungen beim Stillen gewählt. In Deutschland stimmten 32 Prozent der Mütter zu. Schmerzen beim Stillen (38 Prozent) und Wie oft ein Baby gestillt werden muss (34%) sind sogar noch größere Herausforderungen für deutsche Mütter.
  • Mütterliche Schuldgefühle sind universell. Gefragt, wie sie sich fühlen würden, wenn sie ihr Kind nicht gestillt hätten oder es nicht stillen würden, antwortete die Mehrheit der Mütter in nahezu allen Ländern, sie würden sich schuldig fühlen. Deutschland ist das einzige Land, wo Mütter mehrheitlich (61%) selbstbewusst  sagen, sie würden sich nicht als schlechte Mutter fühlen, wenn sie nicht stillen.
  • China und Frankreich haben den höchsten Prozentsatz an Müttern, die sagen, Stillen in der Öffentlichkeit ist peinlich. Viele Mütter in Großbritannien, Brasilien und den USA sagen Stillen sei absolut natürlich. In Deutschland finden es 20 Prozent peinlich, 44 Prozent sagen, es sei absolut natürlich, 32 Prozent empfinden Stillen als unvermeidbar, und weitere 4 Prozent bezeichnen es als falsch.
  • Danach gefragt, wie lange ein Baby idealerweise gestillt werden sollte, fand sich in sieben von neun Ländern der größte Anteil an Befürworterinnen für eine 6-12 Monate währende Stillzeit (Brasilien, China, Deutschland, Ungarn, Mexiko, Großbritannien und USA). Mütter in Frankreich plädieren für weniger, nämlich 3-6 Monate und Mütter in der Türkei sagen, idealerweise sollte eine Mutter 12-24 Monate stillen.

Lansinoh Stillumfrage 2014: Die größten Herausforderungen beim Stillen

 

 

Es gibt Herausforderungen, die stillende Mütter auf der ganzen Welt teilen, aber beim Thema Stilldauer oder Stillen in der Öffentlichkeit gehen die Meinungen weit auseinander!

 

 

“Stillen ist eine universelle Erfahrung. Die Lansinoh Stillumfrage beziffert eine Menge Unterschiede zwischen den Ländern, aber eben auch einige universell drängende Fragen und Herausforderungen an die Gesellschaft. Zum Beispiel wenn es darum geht, Stillen und Berufstätigkeit miteinander zu vereinbaren oder in der Öffentlichkeit unhinterfragt zu stillen. Regierungen, Unternehmen oder Zivilgesellschaft - wer sich fragt, wie man das Stillen fördern könnte, kann anhand dieser Daten direkt Einblick nehmen und Antworten finden, was Frauen unter den herausfordernden Bedingungen der Stillzeit wirklich beschäftigt.” (Kevin Vyse-Peacock, CEO, Lansinoh Laboratories, Inc.)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht das Stillen als „die natürliche Art ein Baby mit allen Nährstoffen zu versorgen, die es für ein gesundes Wachstum und eine altersgemäße Entwicklung braucht.“ Die WHO empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten, gefolgt von Beikost unter dem Schutz des Stillens und eine Gesamtstilldauer von 24 Monaten und darüber hinaus. Laut der aktuellen Lansinoh Stillumfrage 2014 sind sich Mütter weltweit über den positiven Einfluss des Stillens auf die Gesundheit ihrer Babys bewusst.

Gute Vorsätze treffen auf die Realität: Wie lange sollte ein Baby gestillt werden?

Nahezu alle Mütter wissen, wie wichtig das Stillen für die Gesundheit ihres Babys ist. Frauen setzen dieses Verständnis auch in die Tat um – nur nicht immer so lange, wie sie es eigentlich wollten. Die Mehrheit der international befragten Frauen sagt, dass ein Baby 6-12 Monate lang gestillt werden sollte. In der Realität erreicht ein hoher Anteil diese Idealvorstellung nicht. Lediglich die chinesischen Mütter erreichen ihr selbstgestecktes Ziel: über 50% sagen, dass eine Stilldauer von 6-12 Monaten das Beste für ihr Kind ist und über 48% erreichen dieses Ziel auch. Die Türkei und Frankreich sind am weitesten von ihren Idealvorstellungen entfernt. In der Türkei, wo die Idealvorstellungen höher als in anderen Ländern sind, geben 53% an, dass 12-24 Monate eine ideale Stillzeit sind und 43% erreichen dieses Ziel. In Frankreich gilt das umgekehrte Phänomen. Weit über ein Drittel der französischen Frauen (40%) sagen, dass eine Dauer von nur 3-6 Monaten ideal ist, und noch weniger erreichen dieses Ziel (31%).

Deutschland: Ideale und tatsächliche Stilldauer

Lansinoh Stillumfrage 2014: Infografik zeigt Stilldauer in Deutschland

Unabhängig von ihrer Nationalität sehen sich Mütter ähnlichen Herausforderungen beim Stillen gegenüber. „Mitten in der Nacht aufstehen zu müssen“ war eine der drei am häufigsten genannten Herausforderungen
in allen 9 Ländern. Andere weit verbreitete Herausforderungen sind mögliche Schmerzen beim Stillen und anfängliche Schwierigkeiten überwinden zu müssen. Die drei größten Herausforderungen für Mütter in Deutschland lauten: „Schmerzen beim Stillen“, die „Ungeahnte Häufigkeit der Stillmahlzeiten“ und „Mitten in der Nacht aufstehen zu müssen“. Nur in Ungarn findet die Antwort "Stillen war keine Herausforderung für mich" Platz unter den Top 3 (23%). Sowohl chinesische als auch französische Mütter haben Befürchtungen, wenn sie in der Öffentlichkeit stillen; Frauen aus China haben auch Angst, dass ihr Baby zu abhängig von ihnen ist.

Milchpumpen sind ein gern genutztes Stillhilfsmittel

Um das Stillen trotz der Herausforderungen des Alltags zu meistern, nutzen viele Mütter eine Milchpumpe. Die Mehrheit aller befragten Mütter (71%-85%) nutzt eine Pumpe oder hat vor, eine Milchpumpe zu nutzen

Die meisten Mütter pumpen gelegentlich ab; 41% der ungarischen Frauen wollen sogar täglich abpumpen. In Deutschland haben 71% der Frauen abgepumpt oder werden abpumpen, 10% haben nicht abgepumpt oder werden nicht abpumpen und 19% sind sich nicht sicher. 

Auf internationaler Ebene sind die häufigsten Motive für das Abpumpen von Muttermilch die folgenden:
  • Einen Vorrat an Muttermilch aufzubauen
  • Sicherzustellen, dass Muttermilch auch in Notfällen immer verfügbar ist
  • Erleichterung bei starkem Milcheinschuss zu verschaffen
  • Den Partner beim Füttern auch mit einzubeziehen

Die meisten deutschen Mütter (50%) geben an abzupumpen, um einen Vorrat an Muttermilch aufzubauen.

Stillen über Kulturen und Kontinente hinweg

Eine überwältigende Mehrheit in allen Umfrageländern ist sich sicher, dass das Stillen die beste Art ist, ein Baby zu ernähren und gesundheitliche Vorteile fürs Baby der wichtigste Grund sind zu stillen (entsprechend 95,5% und 84% in Deutschland). Stillen schafft eine einzigartige Bindung zwischen Mutter und Kind – darüber sind sich Mütter einig, obwohl diese Antwort erst mit großem Abstand auf die gesundheitlichen Vorteile folgt (immerhin aber 13% in Frankreich, 10% in Ungarn). In den USA sind das Einsparen von Kosten für Muttermilchersatznahrung und das Thema Binding zwischen Mutter und Kind auf dem gleichen Niveau (jeweils 5 %).

Schlechtes Gewissen? Die Einstellungen weichen voneinander ab

Die Prozentzahl der Frauen, die sich als schlechte Mutter fühlen würden, wenn sie nicht stillten, variiert weltweit stark. Sogar in Deutschland – wo sich im internationalen Vergleich weniger Frauen schuldig fühlen, wenn sie nicht stillen würden – geben immer noch mehr als ein Drittel an, sie hätten das Gefühl eine schlechte Mutter zu sein, wenn sie nicht stillen. International sah das so aus:

  • Brasilien 93%
  • Türkei 91%
  • Mexiko 89%
  • Ungarn 87%
  • China 67%
  • USA 64%
  • Großbritannien 63%
  • Frankreich 58%
  • Deutschland 39%

Stillen in der Öffentlichkeit ist absolut natürlich…

Lansinoh Stillumfrage 2014: Das sagen Frauen über das Stillen in der Öffentlichkeit

Eine große Mehrheit weltweit empfindet das Stillen in der Öffentlichkeit als absolut natürlich oder unvermeidbar. Der größte Prozentsatz von Müttern, der sagt, es sei falsch, kommt aus der Türkei (20%).
In China und Frankreich hat diese Frage am meisten polarisiert. Obwohl 52% der Chinesinnen sagten, dass das Stillen in der Öffentlichkeit entweder natürlich oder unvermeidbar ist, beschreiben es 47% als peinlich.
50% der französischen Mütter nehmen das Stillen in der Öffentlichkeit als natürlich/unvermeidbar wahr, während 41% es peinlich finden. Die Verteilung für Deutschland stellt sich folgendermaßen dar: absolut natürlich (44%), unvermeidbar (32%), peinlich (19%) und falsch (5%). Ziemlich positiv …

…es sei denn das Baby ist „zu alt“

Der erste Gedanke, der den meisten deutschen und mexikanischen Müttern kommt, wenn sie eine Frau sehen, die ihr zweijähriges Kind in der Öffentlichkeit stillt, ist, dass das Kind zu alt ist, um noch gestillt zu
werden. Die Hälfte der befragten Frauen aus Großbritannien sieht das genauso. Mütter in Frankreich, USA, Ungarn und der Türkei wählten diese Antwort ebenfalls am häufigsten – wenn auch nicht die Mehrheit.
In Brasilien hingegen gaben 44% der Befragten an, dass jede Mutter solch eine lange Stillzeit als Ziel haben sollte. Die Einstellung der Chinesinnen ist gleichmäßig verteilt: etwa die Hälfte ist überzeugt, dass das Kind
zu alt ist, während die andere Hälfte eine lange Stillzeit unterstützt.

Lansinoh Stillumfrage 2014: Aussagen zur Stilldauer in der Öffentlichkeit

Mütter in Deutschland sagten:
12%: Solch eine Hingabe und Ausdauer ist fantastisch. Jede Mutter sollte das Ziel haben, so lange zu stillen.
26%: Sie ist ein tolles Vorbild. Für mich persönlich wären zwei Jahre jedoch zu lang.
57%: Das Baby ist zu alt. Sie hätte inzwischen abgestillt haben sollen.
4%: Sie sollte nicht in der Öffentlichkeit stillen.

Mehr Unterstützung durch Fachpersonal

Lansinoh Stillumfrage 2014: Schwangere möchten mehr Unterstützung durch Fachpersonal

Die internationale Stillumfrage 2014 zeigt außerordentlich deutlich, wie kontrovers das Thema Stillen in den Nationen angenommen, abgelehnt oder diskutiert wird. Idealvorstellungen sind das eine, die Realität das andere. Viele Mütter zeigen sich tolerant und dem Stillen zugewandt, solange es nicht über die eigenen Erfahrungen hinausgeht. Bei der eigenen Stillerfahrung sehen sich viele Mütter mit großen Herausforderungen konfrontiert, aber auch mit gesellschaftlichen Idealen, die es anscheinend zu erfüllen gilt und Tabus, die nicht diskutiert werden. Das macht es nicht einfach, eine stillende Mutter zu sein. Das gilt international genauso wie in Deutschland. Die Natürlichkeit des Stillens in den Vordergrund zu stellen, Mütter zu unterstützen durch Fachpersonal, in der Familie und in der Öffentlichkeit, das sind Ziele, die gesellschaftlich und politisch, aber auch medial stärker in Betrachtung genommen werden müssen. Das Stillen zu fördern ist eine Aufgabe, die sich für die gesamte Gesellschaft lohnt, denn gestillte Kinder sind gesünder und zufriedener. Mütter brauchen ein hohes Maß an Zuwendung über einen längeren Zeitraum als nur die ersten Wochen nach der Geburt. Stillberaterinnen, Hebammen und Familienfürsorgerinnen können diese Aufgaben wahrnehmen, für Mütter, für Familien, für die Gesellschaft. Diese Fachfrauen brauchen allerdings die Rückendeckung einer vorausschauenden Gesundheitspolitik.

Download Ergebnisse der Lansinoh Stillumfrage 2014

Lansinoh Stillumfrage 2014: Übersicht Ergebnisse 2014 (Jpeg)

Lansinoh Stillumfrage 2014: Bericht zur Stillumfrage 2014 (PDF)

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