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Stillen unterwegs

23 Juni 2017

Vorschaubild zum Artikel Stillen unterwegs: Tipps von Lansinoh

Seit Tausenden von Jahren stillen Mütter ihre Säuglinge, während sie unterwegs sind. Auch heute wird nicht viel benötigt, um sich auf den Weg zu machen: vielleicht eine Wechselwindel und etwas zu trinken für sich selbst. Die Muttermilch für Ihr Baby ist immer frisch und wohltemperiert dabei.

Jeder Ausflug mit Ihrem Baby ist eine Entdeckungsreise der besonderen Art. Die bunte Welt da draußen ist spannend und anregend für Ihr Kind. Die Nähe zu Ihnen oder einer anderen Bezugsperson ist dabei von größter Bedeutung. Durch die besondere Art der Zuwendung beim Stillen vermitteln Sie Ihrem Baby Geborgenheit, Sicherheit und Wohlbefinden – egal wie neu die Umgebung oder die Menschen auch sind.
Allerdings ist das Stillen unterwegs nicht für jede Mutter selbstverständlich und einfach. Zum einen aus praktischen Gründen, zum anderen aus Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Meinung. Wir möchten Ihnen Mut machen hinauszugehen, Ihnen praktische Tipps geben und uns mit häufig gehörten Meinungen zum Stillen näher befassen.

Stillen in der Öffentlichkeit?

Es gibt viele Auffassungen, wo und wie sich das Stillen in der Öffentlichkeit schickt – auch unter Müttern. Wir sind eben keine Gesellschaft, in der das Entblößen der Brust, damit das Kind ernährt wird, ein gewohnter Anblick ist. Obwohl die Akzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit bei über 60 Prozent liegt, mit steigender Tendenz.
In einer Befragung unter Restaurantbetreibern hörten wir am häufigsten die Meinung, das Stillen sei überhaupt kein Problem, doch es sollte im Restaurant bitte diskret geschehen. Diskretion – das Wort birgt Interpretationsspielraum. Was ist diskret? Muss eine Mutter sich in die Ecke setzen? Sind zwei stillende Frauen zu viel für ein Restaurant? Und für wen gilt Diskretion – auch für den Beobachter? Darf man da eigentlich hinschauen? Und das Baby? Was bedeutet Diskretion für den kleinen „Hungerleider“?

Stillen ist die natürliche Nahrungsaufnahme eines Säuglings. Und Sie tun das Beste für Ihr Baby. Darüber sind sich 95 % der Bevölkerung einig! Kein Grund also, dass Sie und Ihr Kind zum Stillen zu Hause bleiben oder sich währenddessen verstecken. Es wäre schön, wenn Mütter einfach überall entspannt stillen würden und alle Beobachter, Männer wie Frauen, es selbstverständlich fänden. Die Akzeptanz der Öffentlichkeit wird weiter steigen, wenn sie gewohnt ist, stillende Frauen zu erleben.

Für manche Mutter ist es besonders wichtig, nicht beobachtet zu werden. Sie wird lieber eine ruhige Ecke wählen, um das Gefühl von Privatsphäre zu haben und den Raum zu überblicken.

Einige Einrichtungen bieten spezielle Räume, in denen Mütter ungestört stillen können. Manchmal ist ein hungriger Säugling aber einfach nicht bereit zu warten. Deshalb sind Restaurants und Cafés eine gute Wahl, um Ihr Kind anzulegen, falls Sie unterwegs plötzlich vom Stillbedürfnis Ihres Säuglings überrascht werden. Die meisten Restaurantbetreiber finden das völlig in Ordnung und heißen Sie und Ihr Baby willkommen wie jeden Gast.

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass Sie doch schief angeschaut werden. Lassen Sie sich nicht die Ruhe nehmen und bleiben Sie selbstbewusst.

Muttermilch ist leicht verdaulich und bietet unverzichtbare Nährstoffe, Vitamine, Proteine, Fette und Antikörper, die Ihr Baby für seine körperliche und geistige Entwicklung benötigt. Studien haben gezeigt, dass Muttermilch Immunstoffe enthält, die auch mit neuester Technologie nicht künstlich reproduzierbar sind. Muttermilch kann Ihr Kind vor chronischen Krankheiten und Allergien schützen.

Denken Sie bitte daran, dass keine Mutter dazu aufgefordert werden sollte, ihr Kind in einem WC-Raum zu stillen. Erwachsene und Kinder, die eine Flasche bekommen, essen auch nicht auf der Toilette.
Für manche Frauen ist es ganz einfach, sich frei zu bewegen und überall zu stillen. Gut, dass Sie Präsenz zeigen! Trotzdem kann es Ihnen schon mal passieren, dass Sie angesprochen werden:

  • In einer Ausstellung wird Stillen häufig verboten sein, weil man dort eben nicht essen oder trinken darf. Hier sollten Sie Verständnis haben, dass die Sorge besteht, wertvolle Ausstellungsstücke könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Natürlich ist das unwahrscheinlich, aber es ist deutlich einfacher, sich dafür einzusetzen, dass es dort selbstverständlich ist zu stillen, wo auch andere essen. Im Foyer oder im Museumscafé sollten Sie sich nicht verunsichern lassen.
  • In Shopping-Centern und Kaufhäusern gibt es immer Bereiche, die sich prima zum Stillen eignen. Wenn Sie Sorge haben, angesprochen zu werden, könnten Sie vielleicht im Vorfeld eine freundliche Verkäuferin nach einem ruhigen Plätzchen fragen. Ähnlich verhält es sich auf Flughäfen und in Bahnhofsgebäuden. Bestimmte Bereiche sind aus Sicherheitsgründen tabu, genau deshalb gibt es häufig Räume oder Aufenthaltsinseln, wo das Stillen erlaubt und bequem ist.

Tipps & Tricks für unterwegs

# Gemeinsam unterwegs stillen macht mehr Freude

Bei ihrem ersten Ausflug besuchen manche Mütter eine Freundin oder gehen an einen Ort, an dem das Stillen gewünscht ist, zum Beispiel in ein Stillcafé, zum Rückbildungskurs ihrer Hebamme oder zu einer privaten Mutter-Kind-Gruppe. In dieser geschützten Atmosphäre können Sie perfekt das Stillen in der „Öffentlichkeit“ üben! Nachdem Sie gelernt haben, das Kind richtig zu stützen, können Sie auch ohne weitere Kissen oder Anlegehilfen stillen.

Treffen Sie sich mit Freunden oder mit Ihren neuen Bekannten aus der Entbindungsklinik, dem Geburtshaus oder der Stillgruppe. Gemeinsam unterwegs zu stillen macht gute Laune und verschafft Sicherheit.

# Die Hungerzeichen des Babys rechtzeitig erkennen

Ihr Baby hat viele Möglicheiten, um seinen Hunger anzumelden: Schmatzen, Suchen, Herumfuchteln mit den Händchen. Gut, wenn Sie die Zeichen Ihres Kindes rechtzeitig erkennen, bevor es lautstark um Beachtung ringt und dadurch beim Anlegen verstärkt die Aufmerksamkeit anderer auf Sie beide zieht. Lassen Sie sich trotzdem nicht nervös machen, wenn Ihr Baby schreit. Die meisten Menschen haben Verständnis und atmen mit Ihnen erleichtert durch, wenn Ihr Kind zufrieden an der Brust liegt und sich satt trinkt.

# Saugfähige Stilleinlagen schützen die Brust und Ihre Kleidung

Am Anfang bereitet der enorme Milchfluss eventuell Schwierigkeiten. Einige Frauen berichten, dass während des Saugens an der einen Brust die zweite unentwegt ausläuft. Keine Sorge, dieser Milchspendereflex reguliert sich meist nach wenigen Tagen. Gute, saugfähige Stilleinlagen, die die Brust schützen und trocken halten, bewahren Sie vor unangenehmen Situationen wie einem durchnässten T-Shirt. Übrigens, gemusterte Kleidung kaschiert Flecken besser als ein unifarbenes Oberteil.

# Still-BHs und Stillschals für angenehme Stillstunden

Beim Stillen kann ein dünner Stillschal über Brüste und Kind gelegt werden. Es eignen sich auch partiell zu öffnende Kleidungsstücke wie Blusen und Strickjacken. Stillgerechte Kleidung mit versteckten Löchern und Klappen ist ebenfalls erhältlich. Still-BHs sind vor allem unterwegs praktisch, denn sie halten die Brust, bringen die Stilleinlagen an den richtigen Platz und verdecken obendrein die obere Hälfte der Brust. Wenn Sie einen Still-BH tragen, sollten Sie ein Modell wählen, das sich spielend einfach mit einer Hand öffnen bzw. schließen lässt.

# Stillen im Tragetuch

Bei kühlen Temperaturen kann ein Schal oder eine Jacke zum Einkuscheln verwendet werden. Einige findige Mütter verwenden einfach ein Tragetuch. Darin wird das Kind gehalten und gleichzeitig diskret gestillt, die Mutter kann sich dabei sogar frei bewegen und ohne weiteres andere Positionen einnehmen.

Wenn Sie etwas Routine beim Stillen entwickelt haben, steht Ihren Unternehmungen mit Ihrem Baby nichts mehr im Weg. Es ist eine wunderbare Zeit, um neue Freundschaften mit anderen Müttern und Vätern zu schließen und Erfahrungen auszutauschen.

Ihre Mobilität muss mit einem Baby nicht eingeschränkt sein. Sie können reisen und Freunde besuchen, sich kulturell bei Ausstellungen oder Vorträgen weiterbilden, Ausflüge ins Umland unternehmen, spazieren gehen und wandern oder mit Gelassenheit durch Geschäfte stöbern und einkaufen.

In größeren Städten ist auch das Elternkino beliebt, dort können Eltern tagsüber mit ihren Kleinkindern ins Kino gehen und die verpassten Abendvorstellungen besuchen. Nirgendwo sonst könnten Sie so diskret stillen und dabei so gut unterhalten werden!

Qualifizierte Hebammen und Stillberaterinnen finden Sie z.B. hier:
Deutscher HebammenVerband, www.hebammenverband.de
Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen, www.bdl-stillen.de

 

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