Trinkt das Baby ausreichend?

Ein neugeborenes Baby sollte rund zehn bis zwölf Mal innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden gestillt werden. Neugeborene haben einen kleinen Magen und können deshalb nicht so viel Muttermilch auf einmal zu sich nehmen. Deswegen sollten diese Babys anfänglich öfter gestillt werden. Babys haben am Anfang nicht anderes zu tun als abwechselnd zu trinken und zu schlafen. Das Saugen des Kindes ist wichtig für die Anregung der Milchproduktion. Wenn Sie sich danach richten, wird Ihr Körper die benötigte Muttermilch nach Bedarf produzieren. Einige Neugeborene müssen zum Stillen sogar geweckt werden.

Wann muss das neugeborene Baby zum Stillen geweckt werden?

Ein schläfriges Kind sollte zum Stillen ermuntert werden. Sie machen keinen Fehler, wenn Sie ihr Neugeborenes nach drei Stunden zum Stillen wecken. Außerdem besteht erhöhter Stillbedarf bei trinkschwachen Babys, geringer Gewichtszunahme und bei Babys mit auffälliger Gelbfärbung (so genannter Neugeborenengelbsucht). Stillen in den ersten Tagen fördert die Ausscheidung des Mekoniums und ist damit die beste Prophylaxe gegen eine Neugeborenengelbsucht. Bitte sprechen Sie mit Ihrer Hebamme, sie gibt Ihnen exakte Tipps, wie und wann Sie Ihr Kind wecken sollten, wiegt Ihr Baby und beobachtet in den nächsten Tagen bis Wochen das Zusammenspiel in Ihrer Stillbeziehung. Bei Gelbfärbung Ihres Säuglings konsultieren Sie bitte Ihre Hebamme und den Kinderarzt.

Wie erkenne ich, dass mein Baby genug Milch bekommt?          

Zunächst spüren Sie, ob Ihre Brüste voller Milch sind oder nicht. Sie spüren den Milcheinschuss und merken, wie fest die Brust wird. Nach dem Stillen sind die Brüste weich. Wenn Ihr Baby kontinuierlich zunimmt, aufmerksam ist und eine gesunde Hautfarbe hat, sind das Merkmale, die für eine ausreichende Nahrungsaufnahme sprechen. Sechs nasse Windeln und ab dem vierten Tag etwa drei Windeln mit Stuhlgang sind ebenfalls Zeichen ausreichender Ernährung.

Lassen Sie sich nicht nervös machen, auch ein spuckendes Kind behält die größere Menge bei sich, auch wenn die wieder zu Tage geförderte Menge manchmal enorm wirkt. Beachten Sie die Signale Ihres Babys und stillen Sie nach Bedarf. Ein Säugling muss nachts gestillt werden, am Anfang hat das Kind keinen Tag-Nacht-Rhythmus.

Die ersten Still-Tage sind bedeutsam für die „Programmierung“ der Milchbildung. Mütter, die in den ersten Tagen häufig anlegen, sagen ihrem Körper, dass er sich auf eine ausschließliche, monatewährende Stillzeit einstellen soll. Frühes Zufüttern dagegen signalisiert dem Körper, dass weniger benötigt wird. Die klassische Wochenbettperiode von sechs Wochen ist notwendig, damit Mutter und Kind das Stillen üben, sich eintakten und die Anfangsschwierigkeiten überwinden können.

Clusterfeeding

Viele Mütter beobachten eine geballte Nachfrage zu bestimmten Tageszeiten, etwa nachmittags und abends. Das Kind kann in Stoßzeiten stündlich gestillt werden wollen. Das ist völlig in Ordnung! Man hat sogar einen Begriff dafür: Clusterfeeding (cluster, zu deutsch – Anhäufung, Ballung). Stellen Sie sich auf diese Perioden verstärkter Nachfrage ein. Wenn Sie auf diesen Mehrbedarf eingehen, wird sich die Milchproduktion darauf einstellen.

Beispiel: Es ist fünf Uhr nachmittags, wie gewohnt stillen Sie Ihr Baby. Das Baby nickt an der Brust ein. Nach einer halben Stunde meldet sich das Baby wieder. Obwohl das Kind die Brust fast leer getrunken hat, nimmt es anstandslos Nachschlag aus der zweiten. Das Baby bleibt wach, ist 10 Minuten gut gelaunt und bald darauf wieder unzufrieden. Es mag für Sie unglaublich sein, aber bieten Sie dem Baby erneut die Brust an, auch wenn Sie das Gefühl haben, beide sind  geleert worden. Stillen Sie abwechselnd, um beide Brüste gleichermaßen auf den Mehrbedarf einzustellen. Drei Stunden später, es ist jetzt acht Uhr abends. Das Baby ist eingeschlafen und scheint endlich satt und zufrieden zu sein. Oft beobachtet man beim Baby nach solch einem abendlichen Stillmarathon ein zufriedene Schlafphase von fünf, sechs Stunden – schlafen Sie mit!

Noch ein Hinweis: Clusterfeeding-Perioden können in der Gesamtstillzeit mehrfach auftreten. Sie dauern manchmal tage-, manchmal wochenlang.  Einige Mütter berichten, dass sie sich auf das Clusterfeeding Ihres Babys mit Sofa, Buch und Tee oder alkoholfreiem Hefeweizen* eingestellt hätten und ab der zu erwartenden Tageszeit gemütlich zuhause waren.

* Von Hebammen empfohlen und durch Studien erwiesen: alkoholfreies Bier /Hefeweizen fördert die Milchbildung: Link zu mehr Infos

Warum erlebt man bei vielen Babys Clusterfeeding? Beim Stillen geht es nicht nur um Nahrungsaufnahme. Das Baby kommt an der Brust zur Ruhe, verarbeitet einen aufregenden Tag, trinkt sich satt und saugt sich glücklich.

Ich glaube, ich habe zu wenig Milch …                  

Viele Mütter sind der Meinung, sie hätten nicht genügend Milch. Zu wenig Milch ist ein häufiger Beweggrund, das Stillen abzubrechen. Aber: Nur rund 2 Prozent aller Mütter haben wirklich zu wenig Milch, um zu stillen! Die Produktion von Muttermilch ist auf den Bedarf des Babys ausgerichtet. Je häufiger Sie stillen, desto mehr Muttermilch wird zur Verfügung gestellt.

Es ist normal, dass Ihr Baby anfänglich oft gestillt werden möchte und nur gelegentlich eine längere Pause macht, da Muttermilch recht schnell und einfach verdaut werden kann. Legen Sie Ihr Baby an, sobald es wach wird. Sie können Ihr neugeborenes Baby bewusst alle zwei Stunden anlegen, und falls es schläft, zum Stillen wecken. Manche Neugeborene sind sehr verschlafen, es ist aber wichtig, die Milchproduktion in den ersten Tagen durch häufiges Anlegen anzuschieben und auf die ausschließliche Stillzeit einzustellen. Verzichten Sie auf die Gabe von Wasser, Tee, Glukose … Muttermilch reicht Ihrem Baby aus!

Haben Sie das Gefühl, Ihre Brüste produzieren zu wenig, weil sie sich permanent weich, wie leer, anfühlen, dann sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Stillberaterin, sie wird mit Ihnen die individuellen Stillzeiten besprechen, eine Tagesplan entwerfen und eventuell durch zusätzliches Abpumpen die Milchproduktion weiter anregen.

Bei jeder Mahlzeit mit beiden Brüsten stillen?                

Nein, das ist nicht nötig. Wenn Ihr Baby noch klein ist, kann es sein, dass es mit dem Inhalt einer Brust pro Mahlzeit auskommt. Sie sollten darauf achten, dass Ihr Baby die Brust leert, damit es auch die dickflüssigere Milch bekommt, die reich an Proteinen und Fett ist. Wenn Sie Ihrem Baby nach der ersten Brust die zweite Brust anbieten, kann es sein, dass Ihr Baby mehr von der durstlöschenden Milch haben möchte, da diese von der Konsistenz dünner ist.

Wenn Sie nur mit einer Brust gestillt haben, ist beim nächsten Stillen die andere Brust an der Reihe, um die Milchproduktion konstant aufrecht zu erhalten. Sollte die zweite Brust zu voll und das Baby bereits satt sein, pumpen Sie etwas Milch ab, um einen Milchstau zu vermeiden. Wenn Sie meinen, dass Sie sich beim nächsten Stillen nicht mehr daran erinnern können, welche Brust an der Reihe ist: Manche Mütter merken sich das mit einer Sicherheitsnadel/einem Bändchen am BH-Körbchen.