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Bekommt mein Baby genug Muttermilch?

8 November 2016

Viele stillende Mütter fragen sich, ob sie genug Muttermilch für ihr Baby haben.

Woher weiß ich, dass mein Baby genug Muttermilch bekommt? Vor allem in den ersten Wochen stellen sich viele Mütter diese Frage. Besonders, wenn das Baby unerwartet häufig gestillt werden möchte oder nach dem Stillen noch unruhig wirkt. Wir haben für Sie alle wichtigen Informationen rund um das Thema Muttermilch und Stillbedarf zusammengestellt.

Muttermilch nach Bedarf

Neugeborene kommen mit einem etwa haselnussgroßen Magen auf die Welt. Kleine Mengen von Kolostrum, der ersten Muttermilch reichen in den Tagen nach der Geburt also aus, um das Bäuchlein des Babys ausreichend zu füllen. Ein wenige Tage altes Baby stillt durchschnittlich acht bis zwölfmal in 24 Stunden. Später wird die Anzahl an Mahlzeiten wahrscheinlich etwas abnehmen. Gerade zu Beginn der Stillzeit ist eine regelmäßige und häufige Stimulation der Brust durch Anlegen des Babys wichtig, denn so wird die Milchbildung angeregt. Stellen Sie sich darauf ein, dass das Baby von Geburt an den Takt des Stillens vorgeben wird. Es wird Ihnen durch kleine Signale zeigen, dass es hungrig ist. Schmatzen, Spielen mit der Zunge, Kopfbewegungen von einer Seite zur anderen oder auch Saugen an den eigenen Fingerchen sind frühe Hungerzeichen. Weinen oder Schreien sind späte Zeichen für Hunger. Manchmal ist es bei späten Zeichen schon schwierig, das Baby korrekt anzulegen. Seien Sie möglichst oft im direkten Hautkontakt zu Ihrem Baby. So bemerken Sie die Hungerzeichen besonders früh und außerdem wird auch über das intensive Kuscheln die Produktion von Muttermilch zusätzlich angeregt.

Das neugeborene Baby zum Stillen wecken?

Sie machen keinen Fehler, wenn Sie Ihr neugeborenes Baby liebevoll zum Stillen animieren und ihm immer wieder die Brust anbieten. Etwa alle drei Stunden oder, wenn sich das Baby eher meldet auch öfter, ist vollkommen normal. Häufiges Stillen in den ersten Tagen fördert die Ausscheidung des ersten Stuhlgangs (Mekonium) und ist die beste Vorbeugung gegen die Neugeborenengelbsucht. Lassen Sie sich von der Hebamme oder Kinderkrankenschwester Tipps für das Anlegen geben. Sie berät Sie gemeinsam mit dem Kinderarzt auch darüber, ob es aus medizinischer Sicht notwendig ist, das Baby zu wecken. Fast alle Neugeborenen verlieren in den ersten Tagen an Gewicht. Deshalb werden Kinder in der Klinik regelmäßig gewogen. 7 - 10% des Geburtsgewichtes abzunehmen, gilt als unbedenklich. Sollte sich die Haut Ihres Babys gelb verfärben, so liegt wahrscheinlich eine Neugeborenengelbsucht (Ikterus) vor. Diese wird von der betreuenden Hebamme oder der Kinderkrankenschwester genau beobachtet, denn Babys mit Gelbsucht sind häufig sehr schläfrig. In diesem Fall sollten die Kinder unbedingt zum Stillen geweckt werden.

Genug Muttermilch für mein Baby?

Besonders in den ersten Wochen der Stillzeit bemerken viele Mütter, dass ihre Brüste vor dem Stillen prall und nach der Mahlzeit weicher sind. Im Laufe der Stillzeit kann sich dieses Gefühl ändern. Die Brüste erscheinen dann oft nicht mehr so stark gefüllt. Lassen Sie sich von diesem Gefühl nicht irritieren. Es gibt andere Signale, an denen Sie sich orientieren können. Wenn Ihr Baby kontinuierlich zunimmt, aufmerksam ist, eine gesunde rosige Hautfarbe, sechs nasse Windeln und ab dem vierten Lebenstag täglich etwa drei Windeln mit Stuhlgang hat, dann sind dies Zeichen für eine ausreichende Ernährung. 

Lassen Sie sich auch nicht nervös machen, wenn Ihr Baby gelegentlich spucken sollte. Auch ein spuckendes Kind behält in der Regel größere Mengen Muttermilch bei sich. Die Menge der ausgespuckten Milch wird meist von den Eltern überschätzt. Das Spucken lässt sich übrigens als ein natürlicher Überlaufmechanismus erklären und ist daher nicht besorgniserregend. Sollte Ihr Baby gleich nach dem Spucken wieder Hungerzeichen zeigen, legen Sie es ruhig an. Spucken hat nämlich nichts mit Übergeben zu tun. Lediglich wiederholtes massives Speien „im Strahl“ sollte vom Kinderarzt untersucht werden.

Zufüttern in den ersten Tagen?

Die ersten Tage der Stillzeit sind wichtig für die „Programmierung“ der Milchbildung. Die Nachfrage regelt das Angebot. Häufiges Anlegen und intensiver Hautkontakt zwischen Mutter und Kind signalisieren dem Körper, dass Muttermilch benötigt wird. Deshalb sollte auf eine Zufütterung von Tee, Pre-Milch oder Glukoselösung verzichtet werden, es sei denn, es ist medizinisch notwendig. Frühes Zufüttern signalisiert dem Körper, dass die bislang produzierte Menge Muttermilch ausreicht und dann wird folglich nicht mehr Muttermilch produziert. Das Neugeborene sollte seine Lust zu saugen an der Brust stillen dürfen. Deshalb sollten möglichst solange keine künstlichen Sauger (weder Beruhigungssauger noch Flaschensauger) verwendet werden bis die Stillbeziehung zwischen Mama und Baby gefestigt ist. Dies ist normalerweise nach sechs bis acht Wochen der Fall.

Clusterfeeding - was ist das?

Viele Mütter berichten von einer gesteigerten Stillfrequenz am späten Nachmittag oder Abend. Das Baby möchte dann mitunter stündlich oder sogar fast ununterbrochen gestillt werden. Das ist anstrengend, aber völlig normal! Oft schließt sich an einen solchen „Stillmarathon“ eine längere Schlafphase von mehreren Stunden an. Stillexperten nennen dieses Verhalten Clusterfeeding. Das Wort „Cluster“ ist Englisch und bedeutet Anhäufung/Ballung. Geben Sie diesem gehäuften Bedürfnis zu stillen und zu kuscheln ganz beruhigt nach. Das Baby braucht zum Verarbeiten des Tages die Nähe seiner Mutter, außerdem stellt das Kind den Milchbedarf für die nächsten Tage ein. Aus diesem Grund sollte auch nicht zugefüttert werden. Auch dann nicht, wenn Sie das Gefühl haben sollten, Ihre Brüste seien leer. Zusammen mit einem leckeren Tee, einem kleinen gesunden Snack und einem guten Buch können Sie es sich mit Ihrem Säugling auf der Couch oder im Bett gemütlich machen. Bieten Sie Ihrem Baby beide Brüste abwechselnd an.

Übrigens: Phasen von Clusterfeeding, manchmal auch über den ganzen Tag hinweg, können während der gesamten Stillzeit auftreten. Sie dauern manchmal tage-, manchmal wochenlang.

Schon gewusst …?

Muttermilch hat im Vergleich zu Säuglingsnahrung eine relativ kurze Verweildauer im Magen und belastet damit den kleinen Körper nicht so sehr. Das ist ein Grund, warum Stillbabys schon nach kurzer Zeit wieder hungrig sein können. Die kostbare Muttermilch wird viel schneller verdaut als Muttermilchersatznahrung. Dies hat nichts mit mangelnder Milchbildung oder „zu dünner“ Milch zu tun, sondern eher mit den besonderen Eigenschaften der Muttermilch. Der Babybauch ist perfekt auf die Muttermilch abgestimmt und kann diese auch am leichtesten verdauen.

Immer beidseitig stillen?

Nein, nicht immer. Gerade sehr junge Babys kommen manchmal mit der Milch aus einer Brust aus. Dennoch sollte die andere Brust ebenfalls angeregt werden. Stillt das Baby sehr häufig, das heißt in kleinen Abständen, dann muss nicht zusätzlich abgepumpt werden. Sollten die Abstände zwischen den Mahlzeiten größer sein, können sie die ungestillte Brust abpumpen und beim nächsten Anlegen dennoch mit dieser Seite starten. Da der Großteil der Milch während der Mahlzeit gebildet wird, müssen Sie keine Angst vor einer leeren Brust haben. Die Brust ist niemals leer, auch wenn häufig das Wort „entleeren“ in diesem Zusammenhang benutzt wird. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Lässt das Baby die Brust los und ist anschließend zufrieden und schläfrig, dann müssen Sie es nicht zur zweiten Seite zwingen. Um sich zu erinnern, welche Seite zuletzt gestillt wurde, kann ein Haargummi um das jeweilige Handgelenk oder ein Bändchen am BH-Träger helfen.

Wenn wirklich zu wenig Milch da ist …

Sollte das Baby nicht gut zunehmen, nur selten nasse Windeln am Tag haben oder nicht optimal gedeihen, könnte es tatsächlich an einer mangelnden Milchmenge liegen. Greifen Sie nicht sofort zur Flasche! Nehmen Sie Kontakt mit einer Hebamme oder Stillberaterin auf, wenn Sie diesen Verdacht haben. Sie kann das Stillverhalten optimal beurteilen und mit Ihnen einen Plan für eine ausreichende Milchbildung erarbeiten. Manchmal braucht es ein wenig Geduld, aber der Weg lohnt sich.

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