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Lansinoh Stillstudie 2017

26 September 2017

Grafik zu den Ergebnissen der Stillumfrage 2017

Pünktlich zur Weltstillwoche vom 2.- 8. Oktober veröffentlicht Lansinoh die Ergebnisse der internationalen Stillstudie 2017. 12.087 Frauen aus neun Länder (Brasilien, China, Frankreich, Deutschland, Mexiko, Kanada, Großbritannien, Türkei und USA), darunter 1.002 deutsche Frauen haben an der Stillumfrage teilgenommen. Die Ergebnisse der Studie ermöglichen einen tiefen Einblick in die Einstellung der Frauen zum Thema Stillen, ihre größten Sorgen und Ängste sowie ihre Erfahrungen zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit. Die Erkenntnisse der Studie deuten zudem auf einen erhöhten Beratungsbedarf und Unterstützung beim Stillen. 

Stillen sei der beste Weg, sein Kind zu ernähren

Neun von zehn Frauen weltweit stimmten zu, dass Stillen der beste Weg sei, ein Baby zu ernähren. Jedoch ist diese Zahl im Vergleich zur letzten Stillumfrage 2015 von 96,1 Prozent auf nun nur noch 90,4 Prozent gesunken.

Aufklärungsbedarf rund ums Stillen

Die Studie zeigt zudem Wissenslücken zum Thema Stillen bei vielen Frauen. So empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Nationale Stillkommission in Deutschland ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten sowie eine Fortführung des Stillens unter geeigneter Beikost auch über den 24. Lebensmonat hinaus. Die Umfrageergebnisse zeigen jedoch, dass die Mehrheit der Frauen weltweit die ideale Stilldauer deutlich kürzer einschätzt als von der WHO empfohlen. Für die Mehrheit der befragten deutschen Frauen sieht es ebenso aus -  Stillen sei bis zu zwölf Lebensmonaten des Babys ideal. Acht Prozent der Deutschen sehen eine ideale Stilldauer bei unter drei Monaten, 38,6 Prozent bei drei bis sechs Monaten und 36,2 Prozent bei sechs bis zwölf Monaten. Nur 10,8 Prozent der Frauen betrachten eine Stillzeit über den zwölften Lebensmonat des Kinds hinaus noch als ideal. Die Idealdauer laut Empfehlung der WHO von über 24 Monaten sehen nur noch knapp zwei Prozent als optimal an. 

Viele Frauen stillen viel zu kurz

Grafik - Ergebnisse der Stillstudie 2017, weltweit

Die reale Stilldauer ist weltweit und auch in Deutschland deutlich kürzer als die von den Frauen als Idealstilldauer angegebene Zeitspanne und liegt somit weit unter der Empfehlung der WHO. 23,3 Prozent stillten demnach nur bis zu maximal drei Monaten, 36,4 Prozent immerhin bis zu sechs Monaten, 29,4 Prozent bis zu einem Jahr und nur noch 8,4 Prozent bis zum zweiten Geburtstag. Über zwei Jahre hinaus stillten lediglich 2,4 Prozent der Mütter. Langzeitstillen wird zudem oft sehr kritisch gesehen, obwohl es den WHO-Empfehlungen entspricht: Auf das hypothetische Szenario, in dem eine Mutter ihr zweijähriges Kind noch stillt, antwortete fast die Hälfte (47 Prozent) der befragten Frauen aus Deutschland, dass das Kind zu alt sei und mit dem Stillen aufgehört werden sollte. 

Schlechtses Gewissen?

Hinzu kommt, dass im weltweiten Vergleich die meisten deutschen Frauen gar kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht stillten. Nur 42 Prozent antworteten hier mit ‚Ja’. Dies ist im internationalen Vergleich die mit Abstand niedrigste Proznentzahl. Der zweite Platz nimmt Frankreich ein mit 54 Prozent Frauen mit schlechtem Gewissen. Besonders häufig sind die Gewissenbisse in Brasilien - mit 94 Prozent gaben an, wenn sie nicht stillen würden, ein schlechtes Gewissen zu haben. Diese Ergebnisse lassen weltweit und insbesondere in Deutschland noch viel Aufklärungsbedarf zu den Vorteilen des Stillens für Mutter und Kind vermuten.

Gründe für die kurze Stillzeit

Gründe für die kurze Stilldauer könnten zum einen die nicht der WHO entsprechenden Vorstellungen von idealen Stillzeiträumen, also möglicherweise Wissensdefizite sein, zum anderen aber auch Sorgen oder Herausforderungen beim Stillen. Der Hauptgrund fürs Abstillen war laut Studie eine unzureichende Milchbildung (22,6 %). Verunsicherung über die Milchmenge scheint in Deutschland in den vergangenen Jahren abgenommen zu haben, denn 2015 lag diese Zahl noch bei 36,2 %. Auch die Frauen in den anderen Ländern gaben eine unzureichende Milchbildung als häufigsten bzw. zweithäufigsten Grund zum Abstillen an. In diesem Punkt scheint also weltweit Verunsicherung zu herrschen. 

Herausforderungen beim Stillen – international gleich

Frauen, die stillen oder planen zu stillen, stehen oft einer Reihe von Sorgen und Herausforderungen gegenüber. 11,1 % der befragten Frauen in Deutschland empfanden Stillen jedoch nicht als herausfordernd. Diese Zahl ist im Vergleich zur Umfrage von 2015 leicht gesunken (14 %). Erfreulicherweise hat Deutschland im internationalen Vergleich hier die höchste Zahl an Frauen, die unbesorgt sind. Möglicherweise liegt dies an einer guten Vorbereitung durch Hebammen, Stillberaterinnen und Elternschulen.
Mütter geben weltweit die gleichen Herausforderungen beim Stillen an: „Schmerzen beim Stillen“ wurde als eine der Top-3-Herausforderungen in allen 9 Ländern genannt. Grenzübergreifend werden „ungeahnte Stillhäufigkeit“ und „Dauer der Stillmahlzeit“ erwähnt. Schmerzen, die mit dem Stillen in Verbindung stehen, waren weltweit die größte Herausforderung (19,9 %). In Deutschland sehen das 19,1 % der Frauen genauso. Die anderen Herausforderungen bezogen sich auf die ungeahnte Dauer einer Stillmahlzeit (10,3 %) und auf die ungeahnte Häufigkeit des Stillens (10,3 %). 

Ernährung in der Stillzeit

Grafik - Stillstudie 2017, Ernährung und Muttermilch spenden

Es scheint Unsicherheit auch beim Thema Ernährung in der Stillzeit zu herrschen. Auf die Frage, ob eine stillende Frau eine bestimmte Ernährung braucht, bejahten 20,6 Prozent, weitere 18,1 waren unentschlossen. Hier herrscht also noch ein großer Aufklärungsbedarf, denn bis auf wenige Ausnahmen sollte sich eine Stillende ganz normal ernähren. Interessant war auch die Frage, ob die Befragten ihre Ernährung verändern würden, wenn dies einen größeren Erfolg beim Stillen versprechen würde. Immerhin 66,7% der stillenden Frauen oder derjenigen, die planten zu stillen, würden ihre Ernährung zugunsten des Stillens umstellen. 33,3 % lehnten dies ab.

Muttermilch spenden

Derzeit existieren 14 Muttermilchbanken in Deutschland. Besonders verbreitet sind sie in den neuen Bundesländern und in Berlin. Muttermilch stellt in der Behandlung frühgeborener Kinder einen wichtigen Beitrag zu deren gesunder Entwicklung in den ersten Tagen nach der oft überraschenden Geburt dar. In den Tagen bis zur ausreichenden Milchbildung der leiblichen Mutter ist eine Muttermilchspende oft überlebenswichtig. Fast die Hälfte (49,9 %) der befragten Frauen aus Deutschland würde Muttermilch an eine offizielle Muttermilchbank spenden. 39,4 % schließen es für sich aus. Diese Zahlen sind mit denen von 2015 vergleichbar.

In Großbritannien sieht die Spendenbereitschaft ganz anders aus: 58,2 % lehnen eine Muttermilchspende ab. In Brasilien hingegen herrscht eine hohe Spendenbereitschaft. Nur 14,3 % würden nicht spenden. 

Unterstützung ist wichtig

Stillen ist eine überwältigende, aber mitunter auch erschöpfende Erfahrung. Unsicherheiten im Umgang mit dem Neugeborenen oder bei den natürlichen Stillabläufen werden in Deutschland mit Hilfe von Hebammen und Stillberaterinnen überwunden. Knapp 30 % der befragten deutschen Frauen nahmen diese Hilfe an. Erfahrene Mütter taten dies erwartungsgemäß seltener als Frauen, die ihr erstes Kind bekamen (11,7 % vs. 37,4 %).
​Etwa 3 % der befragten Mütter gaben an, professionelle Hilfe benötigt, aber keine gefunden zu haben.

Stillen in der Öffentlichkeit

Grafik - Stillstudie 2017, Stillen in der Öffentlichkeit

Eine große Herausforderung stellt für viele Mütter auch das Stillen in der Öffentlichkeit dar. Während des Einkaufens zu stillen ist für deutsche Frauen eine besondere Herausforderung (22,6 Prozent), aber auch auf Reisen zu stillen ist für die befragten Mütter schwierig (21,4 Prozent). Das Thema Stillen in der Öffentlichkeit verbinden immer noch viele Frauen mit negativen Gefühlen (20,2 Prozent). Fast die Hälfte (47,2 %) der befragten deutschen Frauen sieht Stillen in der Öffentlichkeit als etwas Natürliches an, während 32,6 % es als unvermeidbar ansehen. Frauen, die stillten, wurden ebenfalls gefragt, ob sie jemals offen dafür kritisiert worden sind, wenn sie in der Öffentlichkeit gestillt haben. In Deutschland berichtete mehr als ein Fünftel der Befragten, bereits dafür kritisiert worden zu sein. 2015 war es noch ein Viertel der Frauen. Erfreulicherweise gibt es hier einen Rückgang der öffentlichen Kritik. Am seltensten erlebten chinesische Frauen Kritik. Nur 6,6 % von ihnen berichten davon, wobei hier zu beachten ist, dass über ein Drittel der Frauen angab, noch nie in der Öffentlichkeit gestillt zu haben. In Großbritannien sah sich fast jede zehnte Frau öffentlicher Kritik ausgesetzt, auch hier ist ein Rückgang zu verzeichnen.

Stillen ist der natürlichste und beste Weg, das eigene Baby zu ernähren und eine starke Bindung zwischen Mutter und Kind aufzubauen. Doch das Stillen fällt den Müttern, wie die Studie aufzeigt, nicht immer leicht. Aber mit der richtigen Vorbereitung, Aufklärug und Unterstützung ist es für Mütter einfacher, ihre Stillziele zu erreichen.

 

Ergebnisse der Stillstudie 2017 für Deutschland 

Grafik - Ergebnisse der Stillstudie 2017 für Deutschland

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