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25 Mythen und Ammenmärchen rund ums Stillen

14 Juli 2017

Sollen stillende Mütter mehr Milch trinken?

Sie haben es sicherlich auch schon bemerkt – kurz nach Bekanntgabe Ihrer Schwangerschaft, überschlagen sich die „gut gemeinten“ Tipps und Ratschläge zum Thema Stillen. Einige davon sind sicher hilfreich und werden Ihnen helfen, den Stillbeginn mit Leichtigkeit zu meistern, doch andere sind einfach nicht wahr. Wir haben uns nach den häufigsten Irrtümern über das Stillen umgeschaut und hier für Sie die 25 größten Ammenmärchen zum Stillen zusammengetragen.

# 1. Mütter müssen viel trinken, damit sie genug Milch haben

Falsch! Nicht die Trinkmenge der Mutter, sondern die Nachfrage regelt das Angebot. Wenn viel Milch angefordert wird, das heißt, das Baby trinkt häufig an der Brust, dann wird auch mehr Milch gebildet. Selbstverständlich sollte die Mutter auch ausreichend und nach Durst trinken. Zwei Liter pro Tag sind eine gute und ausreichende Menge.

# 2. Abends reicht Muttermilch nicht aus

Falsch! Gerade abends sind Babys häufig unruhig. Das liegt aber nicht an einem Mangel an Muttermilch. Die Babys wollen am Abend viel kuscheln und auch „erzählen“, wie ihr Tag war. Fakt ist, dass zum Ende des Tages der Fettgehalt der Muttermilch etwas abnimmt und die Babys auch deshalb häufiger an die Brust wollen. Das ist ein normaler Prozess und hat nichts damit zu tun, dass die Milch nicht ausreicht.

# 3.  Neue Milch darf nicht auf alte Milch kommen (im Bauch des Babys)

Falsch! Es gibt keine Untersuchungen, die belegen, dass Babys, die sehr häufig gestillt werden, mehr Bauchschmerzen haben. Clusterfeeding (sehr häufiges Trinken in kleinen Abständen) ist vollkommen normal.

# 4. Milch ist manchmal zu dünn

Falsch! Muttermilch ist niemals zu dünn oder - das Gegenteil -  zu nahrhaft. Muttermilch hat, allgemein gesehen, immer die gleiche Grundzusammensetzung egal wo auf dieser Welt. Sie passt sich lediglich den geänderten Anforderungen des heranwachsenden Kindes an.

 # 5. Milch macht Milch

Falsch! Früher dachte man, stillende Mütter müssten viel Milch trinken, um ausreichend Milch zu bilden. Die Wahrheit ist, dass Milch uns mit Kalzium und wichtigen Nährstoffen versorgt. Diese Versorgung kann aber auch durch eine ausgewogene Ernährung erreicht werden.

# 6. Die Brust muss leer getrunken werden

Falsch! Eine Brust ist niemals leer oder voll. Die Milchdrüse produziert bedarfsgerecht während der Mahlzeit die benötigte Menge an Muttermilch.

# 7. Sport macht die Milch sauer

Falsch! Stillende Mütter dürfen natürlich Sport treiben. Am besten ist ein langsam aufbauendes Training. Sehr exzessiver Sport kann den Geschmack der Milch allerdings tatsächlich etwas verändern.

# 8. Stillen verursacht Haarausfall

Falsch! Viele Frauen bekommen nach der Schwangerschaft Haarausfall, unabhängig davon, ob sie stillen oder nicht. In der Schwangerschaft verändert sich der Wachstumszyklus der Haare. Sie fallen nicht so schnell aus und bleiben länger in der Kopfhaut. Das Haar wirkt voller und voluminöser. Nach der Geburt kehrt alles wieder in seinen Ausgangszustand zurück. Die überzähligen Haare fallen nach und nach aus.

# 9. Babys schlafen nur durch, wenn sie richtig satt sind

Falsch! Sattsein hat nichts mit Durchschlafen zu tun. Für das Druchschlafen sind Reifungsprozessen im Gehirn verantwortlich, die von Kind zu Kind individuell ablaufen.

# 10. Wenn eine Frau erneut schwanger wird, darf sie nicht mehr stillen

Falsch! Das sogenannte Tandemstillen ist natürlich möglich. Das bedeutet, dass zwei Kinder unterschiedlichen Alters gestillt werden. In der Schwangerschaft kann sich allerdings der Geschmack der Milch verändern, was manchmal dazu führt, dass das ältere Geschwisterkind nicht mehr trinken möchte. Die Muttermilch ist übrigens immer an die Bedürfnisse des jüngsten Kindes angepasst.

# 11. Langzeitstillen = Verwöhnen

Falsch! Langzeitstillen (Stillen auch noch über den ersten Geburtstag des Kindes hinaus) bedeutet keinesfalls, dass ein Kind verwöhnt wird. Vielmehr ist es Zeichen einer sehr innigen Beziehung zwischen Mutter und Kind und bringt sogar noch einige gesundheitliche Vorteile.

# 12. Stillen macht Hängebrüste

Falsch! In der Brust gibt es feine Bänder, keine Muskeln, die der Brust ihre genetisch festgelegte Form geben. Bereits in der Schwangerschaft und in den ersten Tagen nach der Geburt werden diese Bänder gedehnt. Dies führt eventuell zu einer veränderten Festigkeit der Brust. Die meisten Frauen erlangen ihre alte Brustform zurück, wenn sie ihr Ausgangsgewicht wieder erreicht haben.

# 13. Stillen macht Babys dick

Stimmt nicht! Stillbabys nehmen zwar anfangs stärker zu als Babys, die ausschließlich Ersatznahrung bekommen, aber das gleicht sich meist zum ersten Geburtstag hin wieder aus.

# 14. Muttermilch ist nach einem halben Jahr nicht mehr nahrhaft genug

Falsch! Muttermilch passt sich an die Bedürfnisse des heranwachsenden Kindes an. Mit einem halben Jahr zeigen viele Kinder Interesse am Familienessen. Dann darf gerne probiert werden, was schmeckt – am besten noch unter dem Schutz der Muttermilch.

# 15. Stillende dürfen keine blähenden Lebensmittel essen

Falsch! Experten sind sich einig, dass blähende Stoffe nicht in die Muttermilch übergehen. Sicher ist jedoch, dass Aromen wie Knoblauch oder Spargelgeschmack in der Milch nachweisbar sind. Blähungen und Bauchschmerzen werden eher durch die Unreife des kindlichen Darmes hervorgerufen.

# 16. Mütter dürfen keine Zitrusfrüchte essen

Nicht ganz richtig! Früher gab es sehr strikte Einschränkungen für stillende Mütter. Heute wird empfohlen, sich ausgewogen zu ernähren und auszuprobieren, was das Baby verträgt und was nicht. Zitrusfrüchte und Früchte mit hohem Vitamin-C-Anteil können durchaus zu einem geröteten Babypopo führen, aber eventuell auch nicht. Es wäre doch schade, wenn man auf Orangen, Erdbeeren und Co. verzichtet, obwohl das Baby es vertragen würde.

# 17. Stillen länger als sechs Monate führt zu Eisenmangel beim Kind

Babys kommen tatsächlich mit Eisenspeichern auf die Welt, die für sechs bis neun Monate ausreichen. Ab diesem Alter steigt aber auch die Fähigkeit des Kindes, sich auf eine niedrigere Versorgung einzustellen. In diesem Fall sollten wir auf Mutter Natur vertrauen. Wenn das Baby Interesse am Essen entwickelt, sollte natürlich auch eisenhaltige Kost auf dem Speiseplan stehen.

# 18. Wunde Brustwarzen sind normal

Absolut falsch! Schmerzen und wunde Brustwarzen gehören definitiv nicht natürlicher Weise zum Stillen. Wunde Brustwarzen werden meist durch falsche Anlegetechniken bzw. ungünstiges Saugen des Babys an der Brust hervorgerufen. Hier ist Hilfe durch eine Hebamme oder Stillberaterin ratsam.

# 19. Kleine Brüste geben wenig Milch

Falsch! Die Größe der Brust sagt nichts über ihre Fähigkeit aus Milch zu bilden. Ausschlagegebend ist der Anteil des milchbildenden Milchdrüsengewebes. Im Umkehrschluss bilden danach große Brüste auch nicht zwangsläufig viel Milch.

# 20. Wenn ein Stillbaby weint, hat es immer Hunger

Stimmt nicht! Babys weinen aus vielen Gründen, nicht immer ist es Hunger. Manchmal wollen Babys auch getragen oder gekuschelt werden. Immer ist Weinen jedoch ein Signal des Kindes auf ein Bedürfnis, das gestillt werden möchte. Absichtlich weinen können kleine Babys übrigens nicht. („Der macht das mit Absicht!“)

# 21. Gestillte Kinder werden nie das Essen lernen

Falsch! Gestillte Kinder entwickeln im Laufe des ersten Lebensjahres Interesse am Essen der Eltern und werden ganz natürlich das Essen für sich entdecken. Dies ist eine ganz normale Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. Unter dem Schutz der Muttermilch werden viele Lebensmittel zudem deutlich besser vertragen. Das natürliche Abstillalter liegt übrigens bei drei bis vier Jahren.

# 22. Stillende Mütter können nicht schwanger werden

Falsch! Der Zeitpunkt des ersten Eisprungs nach der Geburt ist bei stillenden Frauen sehr unterschiedlich. Erst etwa 14 Tage nach dem Eisprung kommt es zur Regelblutung. In den Tagen dazwischen kann eine Frau, die stillt, schwanger werden. Verhütung ist also auch in der Stillzeit ein wichtiges Thema und sollte mit dem Gynäkologen/der Gynäkologin besprochen werden.

# 23. Bei einer Brustdrüsenentzündung muss abgestillt werden

Falsch! Eine Brustentzündung ist eine Entzündung der milchproduzierenden Drüsen und/oder der beteiligten Milchgänge, meist einer Brust. Meist ist ein Milchstau vorangegangen. Abstillen würde die Symptome der Mastitis eher noch verschlimmern. Auch wenn die Mutter Antibiotika nehmen muss, ist dies kein Grund abzustillen. Die Medikamente werden so ausgesucht, dass sie mit dem Stillen vereinbar sind.

# 24. Das Baby muss immer beide Seiten trinken

Stimmt nicht! Viele Babys schwenken nach anfänglichem beidseitigen Stillen auf das einseitige Stillen um. Daran gewöhnt sich die Brust schnell. In Phasen von Wachstum und Mehrbedarf wird dann meist wieder beidseits getrunken.

# 25. Die Mutter muss für Zwei essen

Falsch! Eine stillende Mutter sollte sich gesund und ausgewogen ernähren. Der Mehrbedarf von 300 bis 500 kcal während der Stillzeit ist über kleine Snacks wie Müsliriegel oder Nüsse einfach zu decken.

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